Ahme hier mal die Idee vom Eberhard nach und stelle den Bericht doppelt, einmal für DSL-surfer mit vielen Bildern und einmal rein Text zum diskutieren ein.Am Wochenende war mein 240TD dran. Beim Kauf vor ein paar Wochen stand schon fest daß die Antriebswellen am Ende waren und getauscht werden müssen. Also fuhr ich erstmal mit einer extrem grummeligen und vibrierenden Hinterachse durch die Gegend. Auf der Suche nach was brauchbares Gebrauchtes gab ich nach einigen Besuchen beim Schrotthändler auf und entschied mich dazu neue Antriebswellen zu bestellen. Habe mir 2 St. im Zubehör von Spidan bestellt und die originalen Wellendichtringe bei DC.
Erstmal kam der Wagen hinten auf Böcke, der Endtopf raus und die Bremssättel demontiert. Öl aus dem Diff ablassen (bei der graubraunen Brühe die rauslief war der Wechsel auch schon überfällig).
Zum Ausbau der Antriebswellen Verschraubung der Antriebswellen im Radflansch rausnehmen. Mit dem Rangierwagenheber unterm Differential die Hinterachse abstützen und das hintere Gummilager ausbauen. Jetzt kann man mit dem Wagenheber die Hinterachse noch etwas weiter zur Bodengruppe hin anheben um die Antriebswellen aus dem Radflansch zu ziehen. Nun senkt man die Hinterachse hinten mit dem Wagenheber etwas ab. Vorsicht bei Fahrzeugen mit Niveau: Wenn man zu weit absenkt klemmt sich die Hinterachse auf die Anschlüsse an den Druckspeichern und kann diese beschädigen! Damit der Wagenheber für die weiteren Arbeiten nicht im Weg ist, hab ich die Achse auf einen Holzklotz unterm Differential abgestützt. Nachdem das Differential um den Deckel rum und den Antriebswellenflanschen richtig gereinigt wurde kann der Deckel runter. Die beiden Sicherungsringe an den Wellenenden im Differential abnehmen und die Antriebswellen rausziehen.
Druckspeicher, Hinterachse Niveauregulierung

Hinterachse abgestützt und Deckel abgenommen

Dann hab ich die inneren Wellenzapfen von den alten und neuen Wellen und die Abstandsscheiben genau vermessen. Die alten und neuen waren exakt gleich und die alten Scheiben konnten verwendet werden.
Ausmessen und Zuordnen der Abstandsscheiben

Die alten Wellendichtringe hab ich mit einem Montiereisen ausgetrieben. Auch hier wieder erst alles reinigen damit man keinen Dreck ins offene Differential bringt.
Wellendichtringe ausgebaut

Neuen Wellendichtring so weit ins Gehäuse eintreiben das Gehäusekante und Dichtring bündig sind.
Neue Wellendichtringe eingebaut

Die neuen Wellen mit den Abstandsringen ins Differential stecken und mit neuen Sicherungsringen montieren. Jetzt schon mal etwas die Welle drehen damit man sicher ist das die Abstände passen, nichts schleift und auch die Welle im Differential axial kein Spiel hat.
An den Auflageflächen des Deckels alle alten Dichtungsreste entfernen und entfetten. Den Deckel dann mit neuer Dichtmasse einbauen. Achse wieder mit dem Wagenheber unterm Differential anheben, Antriebswellen im Radflansch einfädeln, Gummilager am Differentialdeckel einbauen und Hinterachse wieder am Rahmenboden festschrauben. Die Antriebswellen fertig in den Radflansch einziehen und mit neuen Scheiben verschrauben. Auch hier durch Drehen der Welle kontrollieren das die Welle nicht am Radlagerflansch schleift.
Falls die Welle schleift, die Welle noch mal aus dem Radflansch rausziehen und am Radlagerflansch am Schräglenker nacharbeiten.
Hinterachse fertig zusammengebaut

Bremssättel und Auspuff einbauen, Differential mit frischem Öl bis zur Einfüllschraube auffüllen.
Kleine Materialkunde:
Bei den Differentialen wurden Ausführungen mit und ohne seitliche Lagerdeckel verbaut. Man muß also beim Bestellen der Wellendichtringe und Abstandsringe wissen welches Differential verbaut ist weil Wellendichtringe und Abstandsscheiben beider Varianten unterschiedlich sind.
Original sind Sterngelenkwellen verbaut. Man kann auch Ringgelenkwellen (auch original von DC) einbauen. Vorteil von Ringgelenkwellen ist der geschraubte Flansch am inneren Gelenk. Wenn man irgendwann später einmal wieder die Antriebswelle ausbauen muß (z.B. beschädigte Manschetten) kann man die Wellen einfach am inneren Flansch abschrauben Der Flansch selber bleibt dann im Differential und man spart sich auch den Ausbau des Gummilagers und des Lagerdeckels.
Defekte originale Sterngelenkwelle und Ringgelenkwelle


Bei den Ringgelenkwellen wird das innere Gelenk nur mit einem Sicherungsring gehalten und man kann die Welle zum Tauschen der Manschetten wesentlich einfacher zerlegen kann als eine Sterngelenkwelle mit verbördelten Manschetten.
Weil bei mir auch noch die Feststellbremse wegen defekter Bremsseile klemmte hab ich auch noch gleich beide Seile samt den Bremsbacken getauscht und neu eingestellt. Dabei hat mir gar nicht die Durchrostung am äußeren Radlagerdichtring (gleiche Stelle auf beiden Seiten) gefallen. Auf der linken Seite merkte man schon beim Drehen des Radflansches ohne Antriebswellen leichte Radlagergeräusche…..
Durchrostung am äußeren Lagerdichtring

Jedenfalls läuft der Wagen jetzt schon wesentlich ruhiger und vibrationsfrei und die Radlagergeräusche sind auch noch im annehmbaren Bereich für nen Diesel. Ist also noch genug Zeit sich nach Schräglenkern mit guten Radlagern umzusehen.
To be continued, Steffen
Gruß, Steffen