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Titel: "Radlager vorne wechseln am W 124, W 201 ff. (viele Bilder, viele Bits..)" Archivierter Beitrag - Nur lesen möglich
 
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Foren-Gruppen Technische Fragen Beitrag Nr. 5126
Beitrag Nr. 5126
Author EberhardWeilke User Bewertung eMail senden EberhardWeilke Private Nachricht senden an EberhardWeilke User ProfilFreundesliste
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Nr./Titel "Radlager vorne wechseln am W 124, W 201 ff. (viele Bilder, viele Bits..)"
Zeit 17-04-05, 17:15 Uhr (MESZ)
Beitrag
 
Manch einer wird sich fragen: "Der Herr Weilke, wann schraubt denn der mal wieder an seiner Flosse weiter?" Im Prinzip hat der Frager ja Recht, da soll es diesen Sommer ja auch massiv weiter gehen. Allerdings wollte ich mir für die Pendelei den sparsamsten Diesel aus dem Familienfuhrpark holen, allerdings steht der ja erstens meistens in Österreich und zweitens hat, nachdem die hinteren Radlager im Herbst erneuert wurden (Ihr erinnert Euch?) jetzt auch das vordere rechte seinen Dienst quittiert. Ich höre auch schon wieder die Spötter: "Kein Wunder, neumodisches Glump, fahrt /8, da geht das nie kaputt!" Allerdings schätze ich die Laufleistung unseres 200 D auf um die halbe Million, da kann sowas auch mal kaputt gehen. Zudem gibt es bei den Fahrzeugen ab W 201 eine konstruktive Besonderheit, welche vorschnellen Verschleiß (also so ab 300 tkm ) begünstigt, aber dazu nachher mehr.


Außerdem hatte ich mal wieder Lust auf richtiges "hardcore-auf-der-Straße-schraubing", ohne beschützende Werkstatt mit Hebebühne drumherum Also so wie früher, bei den Eltern vor dem Haus.

Also erstmal ein malerisches Plätzchen gesucht, andere Leute kommen übrigens zum Urlaub machen hier her

Auch in der anderen Richtung sieht das nett aus, der Werkstattwagen hat sich auch noch auf das Bild geschmuggelt

Erstmal muss der Bremssattel runter. Dazu sind zwei 19er Schrauben zu lösen (im Repsatz liegen als Ersatz 18er Schrauben bei, es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich die Nuss gebraucht hab. Nach vielem Rumhampeln hat sich rausgestellt, dass man mit dem Knebel und kurzer Verlängerung von unten am besten an die Schrauben rankommt und die meiste Kraft ausüben kann. Auto bitte nicht gleich vom Wagenheber werfen!

Hier gibt es gleich die erste Falle: Es gibt da noch eine Schraube, welche das Dämpferbein mit dem Achsschenkel verbindet. Da, am roten Pfeil. Ratet mal, wer die zuerst rausgeschraubt hat und dann gleich wieder mit einem Tropfen Loctite auf dem Gewinde wieder rein

Bremsscheibe abnehmen, vorher die Sicherungsschraube raus, alles zur Seite legen, dass man es wieder findet (kein großes Problem mit der Bremsscheibe, aber die Sicherungsschraube...

Dann kann man die Fettkappe runterklopfen, am besten mit einem Meisel, Herr Trompka würde hier einen Schraubendreher und maximal ein Fliesenhämmerchen verwenden

In der Klemmmutter die Inbusschraube lösen und dann mit einer kleinen Wasserrohrzange die Klemmmutter abschrauben. Die bitte nicht verschlampen, die kostet ordentlich Geld. 17 Euro oder so..

Jetzt die wurfmesserförmige Scheibe abnehmen, den Lagerkäfig des äußeren Lagers rausnehmen und die Nabe abziehen. Paar zärtliche Schläge von hinten gegen den Flansch, dann kommt die schon runter.

Und schon sehen wir das Desaster: Im Gegensatz zu den älteren Fahrzeugen (alles vor W 126) muss zum Bremsscheibenwechsel die Nabe nicht mehr abgenommen werden. Das spart zwar Werkstattkosten, allerdings hat man bei den älteren Wagen doch hin und wieder das Fett erneuert, den Wellendichtring ausgetauscht und halt insgesamt die Sache mehr im Griff gehabt. Bei unserem W 124 war dank Laufleistung und österreichischen Wetterverhältnissen (viel Schnee, viel Salz...) irgendwann Salzwasser bis zum Wellendichtring vorgedrungen, hatte die Lauffläche für den Wellendichtring unterrostet und das Wasser hat dann die Fettfüllung des inneren Radlagers ausgewaschen, bis dieses dann narbig lief und Spiel entwickelte. Das Bremsabschirmblech kann normalerweise drauf bleiben, ich hab es Korrosionsschutz- und Reinigungsgründen hier aber demontiert.

Selbst die Rippen für den ABS-Sensor waren salzverkrustet und angegammelt, ich hab mit Rostlöser und alter Zahnbürste hier bisserle aufgeräumt. Auch der Sensor selbst wollte gepflegt werden, das alte Radlagerfett hab ich dann auf den Achsschenkel geschmiert, dessen Oberfläche vollflächig unterrostet war. Die Lauffläche für den Wellendichtring kann man mit einer Messingbürste putzen, so vernarbt, wie die bei unserem Auto aber ist, werd ich mich wohl mittelfristig nach einem gebrauchten Achsschenkel umsehen müssen und bis dahin halt hin und wieder die Radnabe abziehen müssen... Ich hab auch noch nie Rostspuren auf dem Achsstumpf gesehen.

Hier mal wieder ein Blick auf das kaputte Lager

Jetzt legt man die Nabe auf ein Holzstück, nimmt einen Durchschlag mit scharfer Kante und klopft langsam, rundherum, auf den Überstand der Lagersitze, die noch in der Nabe stecken. Keine grobe Gewalt, dass sich was verkantet, sondern immer rundherum, rundherum. Irgendwann kommen die Lager-Außenringe (danke, Herr Jeitler ) raus, keine Bange, das haben Millionen Leute vor Euch auch schon geschafft Das Bild täuscht übrigens, nicht auf die Schräge klopfen, sondern auf den Überstand.

Jetzt nimmt man die alten Außenringe und klopft mit ihnen die neuen Außenringe ein. Nicht verkehrt ist es, vor allem am Anfang, über den Rand zu linsen um zu gucken, ob man nichts verkantet. Immer rundherum, bis die Ringe auf Block in der Nabe stecken. Man darf keine Spalte mehr sehen, normalerweise schließen sie dann oben mit der Nabe ab. Das Klopfgeräusch ändert sich in pickpickpeckpockpock.

Jetzt kann man den inneren Lagerkorb mit Fett vollschmieren und einsetzen. Unbedingt vor Montage des Wellendichtrings, sonst flucht man in zehn Minuten und kauft einen neuen Wellendichtring...

Jetzt den Wellendichtring mit einem zwischengelegten Holzklotz einklopfen. Gleichmäßig, ohne ihn krumm zu klopfen.

Die so vorbereitete Nabe kann man jetzt auf den Achsstumpf schieben. Den Käfig des äußeren Lagers schmiert man jetzt auch mit grünem Hochtemperatur-Wälzlagerfett voll, dass man von Daimlers holt (oder von Castrol, die stellen das nämlich her) Kein anderes Fett ist übrigens erlaubt, bei der thermischen Belastung durch die Vorderradbremse ist das auch nicht sinnvoll. Das grüne Fett darf auch nicht mit anderem Fett vermischt werden. Fettmenge laut Handbuch ist 42 Gramm, da ich aber keine Grammwaage bei mir führe, schmier ich immer die Lagerkörbe voll, leg innen eine Wurst vor das innere Lager und noch einmal eine größere Wurst in die Fettkappe. Zu viel ist übrigens hier nicht gleich viel besser sondern eher gefährlich, wenn sich die Kugeln in den Körben nicht mehr drehen können.

Wurfmesserscheibe drauf, Klemmmutter lagerichtig drauf (mit dem Absatz nach innen), dann kann man das schon mal gut anziehen. Ich montiere dann erstmal das Rad und kontrolliere am Radumfang, ob es Spiel im Lager gibt. So lange anziehen, bis das Spiel weg ist. Wenn sich das Rad nicht mehr drehen lässt, hat man es übertrieben...

Zum Schluss kommt noch die Messingfeder für die Funkentstörung in das Loch auf dem Achsstumpf und dann kann man auch die Fettkappe wieder aufklopfen. Dazu unbedingt auf den Rad klopfen, nicht auf die Kappe, das Ding ist recht schnell verbeult und das wird einem die Feder innen übel nehmen.

Entschuldigt die Schärfe, die Kamera wollte nicht den Holzklotz sehen, sondern meinen wunderbaren Rätschenkasten

Tja, jetzt wart ich halt ab, wann das linke vordere Radlager auch kommt...

Gruß diesmal vom Gartenstuhl
Eberhard

Gruß
Eberhard

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Author EberhardWeilke User Bewertung eMail senden EberhardWeilke Private Nachricht senden an EberhardWeilke User ProfilFreundesliste
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Nr./Titel 3. "Kinners, ich hab extra einen bilderfreien Thread aufgemacht..."
Zeit 17-04-05, 20:31 Uhr (MESZ)
Beitrag
 
Antwort auf Antwort Nr. 0
 
...können wir da weiter reden

Gruß
Eberhard
(an die Kabelsurfer denkend...)

Gruß
Eberhard

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Author Trompka User Bewertung eMail senden Trompka Private Nachricht senden an Trompka User ProfilFreundesliste
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1799 Beiträge, 12 feedbacks, 24 Punkte
Nr./Titel 2. "RE: Radlager vorne wechseln am W 124, W 201 ff. (viele Bilder, viele Bits..)"
Zeit 17-04-05, 20:30 Uhr (MESZ)
Beitrag Antwort auf Antwort Nr. 0
 
Jau, du hast schon recht! Sowohl den Meisel als auch den Durchschlag hätte der Trompka durch sein geliebtes Wiha-Holzschraubendrehersätzchen ersetzt...
Drehe die Klemmutter immer erstmal fest, löse sie wieder und drehe sie dann auf Spielfreiheit. Sonst sehr schön geschriebener und bebilderter Bericht! Der Vorteil der 123er-Konstruktion ist übrigens auch noch, daß die Fahrzeuge viel weniger Probleme mit Bremsscheibenverzug haben!!!

matrom@web.de
markus.trompka@gmx.de

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Author AlexanderJ User Bewertung eMail senden AlexanderJ Private Nachricht senden an AlexanderJ User ProfilFreundesliste ICQ
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2976 Beiträge, 30 feedbacks, 60 Punkte
Nr./Titel 1. "Sehr gute Arbeit, aber....."
Zeit 17-04-05, 20:09 Uhr (MESZ)
Beitrag
 
Antwort auf Antwort Nr. 0
 
ich möchte ergänzen, daß die M12-Feingewinde-Paßschrauben(keine 18er oder 19er schrauben) der Bremszange ebenso wie die gewindebohrungen zu reinigen und zu entfetten (Bremsenreiniger) sind und daß Loctite nach vorschrift des Herstellers und auch meiner Erfahrung nicht nur auf die Schraube (vorderes Drittel) sondern auch in der Gewindebohrung aufzutragen ist, sonst ist das nämlich nicht sicher.
desweiteren ist es vielleicht komfortabler, die Klemmutter gleich mit dem Inbusschlüssel, mit dem man die klemmschraube löst runterzudrehen (steckenlassen und drehen)
und letztendlich sind die Lagersitze am Wellenzapfen zu prüfen, falls der innenring des inneren zu locker raufgeht: entfetten, Zapfen schmirgeln und mit Loctite 638 aufkleben (bei sehr losem sitz Loctite 603)
niemals mit Blechen unterfüttern, Zapfen, die so eingelaufen sind, sind zu wechseln, da die gefahr von Kerb und dauerbrüchen besteht.
Das äußere Lager muß schiebbar sein, aber es darf ebenfalls nicht auf der Welle geigeln (Zapfen wechseln)
Im falle einer starken Simmaringspur ist aus dem gut sortierten fachhandel ein simmaring zu nehmen, der die Lippe etwas versetzt trägt.
Und das Teil das in die Nabe kommt, nennt man Lager-außenring, der Sitz ist die Umfangsfläche an der er liegt.
bitte das aber nicht als Kritik aufzufassen, ich finde den Bericht sehr gut.
Achja, wenn so ein Lager innenring nicht vom wellenzapfen will (z.B.: durch Passungsrost), dann den Käfig zerstören, den ring abwischen und mit der Schweissflamme erwärmen auf rotglut (aber nur den Ring), dann mit einem schraubendreher abhebeln, besitzt man keinen autogenbrenner, so kann man den ring auch durchflexen, wobei hier nicht völlig durchgeflext wird, sondern nur bis zur blauverfärbung (dann ist er so dünn, daß er nachgibt), man kann auch mit der flex einkerbungen machen, die einem meissel halt geben, oder einen ring draufschweissen, an dem sich ein abzieher ansetzen lässt, meisstens geht er aber beim schweissen schon frei

/8ungsvolle Grüsse,
Alex


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